Warum Spieler keine Lust mehr auf Downloads, Launcher und Zwangsaccounts haben

Ein neues Spiel entdecken, auf den Link klicken und wenige Sekunden später loslegen: Was heute beinahe ungewöhnlich klingt, war einmal eines der großen Versprechen des Internets. Browsergames mussten nicht installiert werden, verlangten keine riesigen Downloads und belegten keine 150 Gigabyte auf der SSD. Der Browser genügte.

Inzwischen sieht die Realität bei vielen großen Spielen anders aus. Wer einen aktuellen Titel spielen möchte, benötigt häufig nicht nur das eigentliche Spiel, sondern zusätzlich einen Account, einen Launcher, mehrere Updates und mitunter weitere Dienste im Hintergrund. Selbst ein spontaner Spieleabend kann zunächst mit einem Download beginnen.

Genau deshalb wirkt eine vermeintlich alte Stärke der Browsergames plötzlich wieder erstaunlich modern: der direkte Zugang.

Vom Klick zum Spiel war einmal völlig normal

OGame, Die Stämme, Travian oder Grepolis haben ganze Generationen von Spielern daran gewöhnt, dass ein Spiel zunächst nicht mehr als eine Internetadresse benötigt. Account erstellen, einloggen und anfangen.

Technisch waren diese Spiele mit heutigen Produktionen kaum vergleichbar. Ihr Vorteil lag an anderer Stelle. Der Einstieg war unkompliziert und funktionierte auf praktisch jedem ausreichend leistungsfähigen Rechner mit Internetzugang.

Wie stark diese Generation von Spielen die Browsergame-Landschaft geprägt hat, zeigt auch unser Rückblick auf OGame, Die Stämme und andere Browsergame-Klassiker.

Natürlich ist die Spielewelt inzwischen erheblich anspruchsvoller geworden. Hochauflösende Texturen, riesige offene Welten und technisch komplexe Multiplayer-Spiele lassen sich nicht einfach mit einem klassischen Browsergame aus den 2000er-Jahren vergleichen.

Trotzdem bleibt die Frage: Muss der Zugang zu Spielen deshalb immer komplizierter werden?

Ein Spiel kommt heute selten allein

Steam hat den digitalen Vertrieb von PC-Spielen enorm vereinfacht. Gleichzeitig ist rund um moderne Spiele eine Infrastruktur entstanden, die für Nutzer schnell unübersichtlich werden kann.

Neben Steam gibt es unter anderem den Epic Games Store, EA App, Ubisoft Connect, Battle.net und zahlreiche weitere Plattformen. Manche Spiele benötigen selbst dann einen zusätzlichen Publisher-Account, wenn sie bereits über einen anderen Store gekauft wurden.

Dazu kommen automatische Updates, Anti-Cheat-Systeme, Cloud-Synchronisierung und teilweise mehrere Programme, die parallel laufen.

Jeder einzelne dieser Schritte kann nachvollziehbare technische oder wirtschaftliche Gründe haben. Aus Sicht des Spielers ergibt sich daraus trotzdem ein wachsender Berg an Zugangshürden.

Besonders deutlich wird das, wenn ein Spiel nach einigen Monaten erneut gestartet werden soll. Statt direkt loszulegen, wartet zunächst ein Update mit mehreren Gigabyte. Danach benötigt der Launcher möglicherweise ebenfalls eine Aktualisierung und anschließend muss ein vergessenes Passwort zurückgesetzt werden.

Der eigentliche Wunsch des Nutzers ist dabei ausgesprochen simpel: spielen.

Browsergames machen aus ihrer größten Einschränkung einen Vorteil

Browsergames können bei Grafik und Umfang nicht jeden klassischen PC- oder Konsolentitel ersetzen. Das müssen sie allerdings auch nicht.

Ihr Vorteil liegt gerade darin, auf einen Teil der zusätzlichen Infrastruktur verzichten zu können.

Ein gutes Browsergame lässt sich innerhalb weniger Sekunden öffnen. Es benötigt normalerweise keine lokale Installation und lässt sich auf unterschiedlichen Geräten nutzen. Fortschritte werden serverseitig gespeichert und ein Gerätewechsel bedeutet nicht automatisch eine neue Installation.

Diese Einfachheit ist insbesondere bei Spielen interessant, die ohnehin nicht über stundenlange Sessions funktionieren. Strategiespiele, Management-Games, Kartenspiele, Idle Games und zahlreiche Multiplayer-Konzepte eignen sich hervorragend für kurze Besuche im Browser.

Aus einer technischen Einschränkung wird damit ein Komfortmerkmal.

Moderne Browser können deutlich mehr als früher

Gleichzeitig entwickelt sich die Technik weiter. Moderne Browser sind längst nicht mehr nur Programme zum Anzeigen einfacher Webseiten.

Technologien wie WebGL haben komplexe 3D-Grafik im Browser möglich gemacht. Mit WebGPU beschreibt Mozilla eine modernere Schnittstelle, über die Webanwendungen direkt auf Funktionen der Grafikkarte zugreifen können.

WebGPU soll gegenüber älteren Web-Technologien unter anderem einen moderneren GPU-Zugriff, leistungsfähigere Berechnungen und anspruchsvollere grafische Anwendungen ermöglichen.

Noch bedeutet das nicht, dass plötzlich jedes große PC-Spiel direkt als Browsergame erscheint. Auch die Unterstützung unterscheidet sich weiterhin zwischen Browsern und Geräten.

Die technische Grenze zwischen einer klassischen Webseite und einer leistungsfähigen Anwendung wird jedoch zunehmend unschärfer.

Für Browsergames eröffnet das Möglichkeiten, die vor zehn oder fünfzehn Jahren kaum denkbar gewesen wären.

Spieler wollen weniger Reibung

Dahinter steckt ein größerer Trend, der sich nicht allein auf Browsergames beschränkt.

Digitale Angebote konkurrieren nicht nur über Inhalte miteinander. Sie konkurrieren auch darüber, wie schnell und unkompliziert Nutzer das bekommen, was sie eigentlich wollen.

Streaming-Dienste haben diesen Gedanken bei Filmen und Musik längst etabliert. Ein Lied muss nicht heruntergeladen und verwaltet werden. Es wird angeklickt und abgespielt. Filme benötigen keine DVD und normalerweise auch keinen manuellen Download mehr.

Bei Spielen funktioniert dieses Prinzip aufgrund der technischen Anforderungen komplizierter. Cloud-Gaming versucht jedoch genau diese Hürde ebenfalls zu reduzieren.

Browsergames gehen einen noch direkteren Weg. Sie wurden von Anfang an um die Idee gebaut, dass möglichst wenig zwischen Nutzer und Spiel stehen sollte.

Wahlfreiheit wird im Internet zum eigenen Produktmerkmal

Dabei geht es nicht nur um Installationen. Nutzer achten zunehmend darauf, wie viele Vorgaben mit einem digitalen Angebot verbunden sind.

Muss ein bestimmter Account verwendet werden? Funktioniert der Dienst auf unterschiedlichen Geräten? Gibt es regionale Einschränkungen? Welche Daten werden benötigt? Kann frei zwischen verschiedenen Angeboten gewechselt werden?

Diese Diskussion findet längst auch außerhalb klassischer Videospiele statt. Besonders deutlich wird sie bei regulierten Online-Angeboten.

Ein Beispiel ist der Glücksspielmarkt. In Deutschland gelten für lizenzierte Anbieter besondere technische und regulatorische Vorgaben. Das Länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem LUGAS dient unter anderem dazu, anbieterübergreifende Einzahlungslimits zu verwalten und paralleles Spielen bei verschiedenen angeschlossenen Anbietern zu verhindern.

Wer sich mit den Unterschieden zwischen dem deutschen System und internationalen Angeboten beschäftigt, stößt deshalb auch auf Casinos ohne LUGAS für mehr Freiheit. Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass Angebote außerhalb des deutschen Systems unter anderen regulatorischen Voraussetzungen arbeiten können.

Gerade dieses Beispiel zeigt, dass „weniger Einschränkungen“ nicht automatisch dasselbe bedeutet wie „besser“. Regeln können bewusst eingeführt werden, um Nutzer zu schützen oder bestimmte Standards durchzusetzen.

Für Nutzer bleibt trotzdem relevant, welche Regeln gelten und welche Konsequenzen die Entscheidung für eine Plattform hat.

Weniger Einschränkungen bedeuten mehr Eigenverantwortung

Das gilt auch für klassische Spiele.

Ein geschlossenes System kann Nachteile haben, aber gleichzeitig Vorteile bieten. Plattformen übernehmen beispielsweise Updates, Zahlungsabwicklung, Account-Sicherheit oder Moderation. Auf Konsolen sorgen einheitliche technische Voraussetzungen dafür, dass Entwickler genau wissen, auf welcher Hardware ihr Spiel laufen muss.

Ähnlich verhält es sich bei regulierten Glücksspielangeboten. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder erklärt das anbieterübergreifende Einzahlungslimit als eine Spielerschutzmaßnahme des Glücksspielstaatsvertrags. Über LUGAS wird bei angeschlossenen Angeboten kontrolliert, dass entsprechende Vorgaben anbieterübergreifend berücksichtigt werden.

Freiheit und Regulierung stehen deshalb nicht immer in einem einfachen Gegensatz zueinander.

Entscheidend ist Transparenz. Nutzer sollten wissen, welche Einschränkungen ein Angebot mit sich bringt, warum sie bestehen und welche Alternativen existieren.

Der Browser könnte für Spiele wieder wichtiger werden

Browsergames werden große Installationen auf Gaming-PCs und Konsolen nicht verdrängen. Ein technisch aufwendiges AAA-Spiel stellt völlig andere Anforderungen als ein Strategiespiel, das nebenbei in einem Browser-Tab läuft.

Trotzdem könnte die Bedeutung browserbasierter Spiele wieder wachsen.

Schnellere Hardware, leistungsfähigere Web-Technologien und eine zunehmende Verlagerung von Anwendungen in die Cloud schaffen dafür gute Voraussetzungen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Anwendungen, die ohne große Vorbereitung funktionieren.

Das Smartphone hat diesen Anspruch zusätzlich verstärkt. Nutzer sind daran gewöhnt, innerhalb weniger Sekunden auf Inhalte zugreifen zu können. Eine halbe Stunde Installation wirkt in dieser Umgebung zunehmend wie ein Anachronismus.

Browsergames müssen deshalb nicht versuchen, klassische PC-Spiele zu kopieren. Ihre vielleicht größte Stärke besitzen sie bereits seit Jahrzehnten.

Sie sind einfach da.

Browser öffnen, Spiel auswählen und anfangen. Kein zusätzlicher Launcher, keine gigantische Installation und im besten Fall kein kompliziertes System aus mehreren Accounts.

Manchmal ist technischer Fortschritt eben nicht die Frage, wie viele zusätzliche Funktionen ein Produkt erhält.

Manchmal besteht Fortschritt darin, möglichst viel wegzulassen.